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Montag, 5. November 2012

"Mit Essen spielt man nicht!"

Oder doch?

Lakritzschnecken habe ich nie im Stück gegessen. Da war der Lakritzgeschmack viel zu extrem. Viel mehr Spaß hat es gemacht, die Schnecken abzurollen und entweder die doppelten Bänder in kurzen Etappen zu naschen, oder -  noch besser! - die Schnecke komplett abzurollen und dann das Endergebnis an der perforierten Stelle noch einmal in zwei längliche, dünne Bänder zu teilen. Die Herausforderung war dann natürlich, dass die Lakritzbänder nicht rissen.
Wer hat mir das beigebracht? Ich weiß es nicht mehr, will meinen Eltern so etwas aber nicht unterstellen.

Im Gegensatz dazu kann, darf und muss ich sogar meiner Mutter unterstellen, dass sie, die "mit Essen spielen" immer unmöglich fand, mir den Salmistern nahegebracht hat.
Jawohl, erst wurde der Handrücken angeleckt, damit da ordentlich viel Spucke drauf ist, und dann wurden die rautenförmiten Salmis in Sternenform aneinandergelegt und nach und nach vom Handrücken mit den Zähnen oder der Zunge wieder weggenascht.

Ansonsten haben wir natürlich auch viel mit Ahoj!-Brausepulver genascht und gespielt. Die Explosion im Mund, wenn man eine ganze Tüte in sich hineingekippt hat - irgendwie eklig, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Oder die hübsch bunten Finger, wenn man immer nur ein wenig zur Zeit aus der Tüte geholt hat!

Ob mir das Zeug heute noch schmecken würde? Ich glaube nicht...

Sonntag, 28. Oktober 2012

"Ach, so wachsen Gurken also!"

Eine typische Großstadtfamilie im Urlaub auf dem Land. In dem Ort, wo wir im besagten Jahr waren, waren wir schon zweimal zuvor, kannten uns also aus und wollten das Bekannte genießen, quasi in unsere "zweite Heimat" fahren. Neu war in jenem Jahr eine Gemüseplantage, auf der ziemlich hohe Pflanzen wuchsen, an denen Gurken hingen. Allerdings sahen sie komisch aus, sehr ungewohnt.

Unsere erste Reaktion als jemand, der nie selbst Gemüse angebaut hat: "Ach, so wachsen Gurken also!" Allerdings kamen mir diese Gurken irgendwie komisch vor. Ich kannte nur die normalen Salatgurken, Gewürzgurken und die Senfgurken aus dem Faß (gab es bei uns auf dem Wochenmarkt an einem Fischstand, warum auch immer!).

In diesem Jahr bekamen wir Besuch von Freunden, die grundsätzlich weiter reisten und wesentlich mehr in der Welt herumgekommen sind als wir zu dem Zeitpunkt. Als die das Gurkenfeld sahen, waren sie von unserer Unwissenheit überrascht, denn was dort wuchs, waren keine Gurken sondern Zucchini!
Peinlich, aber wir hatten halt noch nie vorher welche gesehen - und meine ersten probiert hatte ich, glaube ich, auch erst so ungefähr fünf Jahre später.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Kuddel ist blöd

Welch ein Name! Aber was passiert, wenn man ein neues Lieblingsgericht mit einem französischen Namen hat, selbst aber noch ein Kind ist ohne jegliche Fremdsprachenerfahrung? Man baut sich seinen eigenen Namen. Gut, gemeinsam mit meinen Eltern, die außer ein wenig Grundkenntnissen in Englisch auch nicht wirlklich fremdsprachlich bewandert waren.

Zugegeben, "unser" Name für unser damals neue Lieblingsessen (muss 1983 oder 1985 gewesen sein, ich weiß noch genau, wo wir saßen, als wir das das erste Mal bestellt hatten; sonst hatte ich, wenn wir dort waren, einen der Kinderteller und meine Eltern Chateau Briand*), ist nicht wirklich eine perfekte lautmalerische Umschreibung des französischen Namens, hat aber gewisse Ähnlichkeiten in der Phonetik der Vokale. Und es ist eine perfekte Beschreibung, damit wir wussten, was dieses Essen beinhaltete.

Wieso?

Mein Großvater, ein wirklich lieber Mensch, hatte eine Angewohnheit, die es manchmal ein wenig schwierig machte, für ihn zu kochen, vor allem, wenn es um neue Rezepte ging. Solange er seine Hausmannskost bekam (eine große Scheibe Fleisch, einen Haufen Kartoffeln und etwas Gemüse dazu), war er glücklich. Aufläufe, die ja im Prinzip auch nur Gemüse, Fleisch und Kartoffeln beinhalteten, aß er nicht, weil das ja ein "widerliches Gemansche" war. Aha. Aber im Magen kommt doch eh' alles zusammen?
Dafür war er wenig anspruchsvoll, was seine Hausmannskost betraf. Er aß eigentlich jedes Fleisch und jedes Gemüse. Nur halt durfte nichts von beidem fehlen. Sonst war es kein Essen für ihn.

Ein weitere Ekelfaktor für ihn - und damit komme ich wieder zurück auf den Titel - war warmer Käse. Also ein zweiter Grund für ihn, keine Aufläufe zu mögen, aber das nur am Rande. Denn warmer Käse war ja gerade das Besondere an "Kuddel ist blöd". Käse, der im Fleisch mit gebraten wurde, der, sobald man etwas vom Fleisch abschnitt, an der Gabel hängenblieb. Der lang und dünn gezogen wurde. Lecker. Das Beste vom Ganzen.

Die Gemüsebeilage dazu war saisonal, und uninteressant. Solange wie ich meinen ziehigen Käse bekommen konnte! **)


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*) Rechtschreibung ohne Garantie, phonetisch klingt es aber nach dem, was es war
**) Erraten? Es geht um Cordon Bleu

Dienstag, 16. Oktober 2012

Türkischer Tee vs. Modegetränk

Da saß ich mit Hattrick nach einem Fußballspiel beim Essen, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen, und zum Nachtisch nach einem reichhaltigen Essen gab es als Nachtisch für jede von uns ein Glas türkischen Tee.

Einmal Apfel, einmal Orange. Lecker. Aber nicht der Hauptgrund, dass ich ein Erlebnis von 2007 hier erwähne. Der Tee wirkte dickflüssiger als unser. Und war quietschebunt.

"Das sieht ja aus Quench!" war mein begeisterter Quietscher in dem Moment, als ich die leuchtend-orange Farbe sah.
Hattrick stimmte mir zu.

Ich war schon erstaunt, dass sie das auch noch kannte, weil es irgendwie in meine Kindheit gehörte, ich aber nicht mehr zuordnen kann, wann das war. Vermutlich bringe ich die Zeiten durcheinander.

Quench. Dass es diesen Kram überhaupt bei uns gab, war schon erstaunlich, denn eigentlich legten meine Eltern Wert auf gute Ernährung. Aber manchmal gab es eben doch Höhepunkte. So auch im Sommer, wenn meine Mutter diese große Dose Quench (ich glaube, wir hatten immer nur das "Orangensaft"-Pulver) öffnete und eine ganze Kanne mit dem Zeugs vorbereitete, wenn Besuch da war und wir die ganze Zeit im Garten getobt hatten.

Irgendwie hat es damals schon künstlich geschmeckt, trotzdem mochten wir Kinder das. Gern würde ich heute noch einmal davon probieren, einfach nur, um zu wissen, ob es heute immer noch so lecker ist. Sollte irgendwer irgendwo einmal die Renaissance von Quench entdecken, möge er (oder sie) mir bitte Becheid geben. Danke!


Donnerstag, 4. Oktober 2012

Grün, stachelig ... und geplatzte Mundwinkel

Das neue Obst in Deutschland ab 1980. Eine Südfrucht. Eigroß. Grün. Stachelig. Fühlt sich eklig an.

Wie isst man das?

Wenn es nicht die Werbung für eine Einzelhandelskette mit dem unvergessenen Rudi Carrel gegeben hätte, wären mit Sicherheit etliche deutsche Hausfrauen an dieser neuen Delikatte gescheitert. Doch er plietsche* Holländer zeigte eine Anleitung im Fernsehen:

Erst wird das gute Stück mit dem Messer halbiert, dann das grüne Fruchtfleisch ausgelöffelt.

Gesagt, getan. Auch bei uns gab es dieses "neue Teufelszeug", das vermutlich sowieso "niemand braucht". Ohne Anleitung hätte meine Mutter damals wohl vermutlich die Finger davon gelassen.

Es schmeckte ungewohnt, aber lecker. Sehr lecker.

Leider hatte diese Delikatesse einen großen Nachteil: Wenn ich mehr als zweimal die Woche eine gegessen hatte, waren meine Mundwinkel von der Fruchtsäure aufgeprungen, knallrot und schmerzten höllisch. Zumindest für das Empfinden eines kleinen Kindes.

Lange Zeit für mich ein Grund, meine heißgeliebten Kiwis zu vermeiden.

Bis ich vor ein paar Jahren auf die Kiwi gold stieß. Süßer als "das Original", die Haut dünner und weniger stachelig, die Fruchtsäure nicht so aggressiv. Sehr schön. Kiwi gold ist jetzt immer noch eine meiner Lieblingsfrüchte.

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*Hamburgisch für: schlau, pfiffig