Solche genervten Ausrufe kamen des öfteren von meiner Oma.
Ist denn der demographische Wandel und die wachsende Infrastruktur Schuld der Kinder? Was können bzw. konnten wir denn dafür, dass zum einen in der Nachbarschaft nicht zig Kinder herumliefen, die man durch Pfeifzeichen auf die Straße holen konnte, um dort mit einem Ball oder Reifen oder was-weiß-ich noch spielen zu können? Können denn wir - damals - Kleinsten etwas dafür, wenn man Einzelkind ist und in einem Einfamilienhaus aufwächst, ohne gleich den Freundeskreis im Hof zu haben? Wenn dieses Einfamilienhaus an einer stark befahrenen Ausfallstraße liegt, sodass das Spielen außerhalb des hauseigenen Gartens ziemlich gefährlich war, die Gefahr, unter die Räder zu kommen, nicht zu verachten? Ich denke nicht.
Wie also sollte man in großen Gruppen Massenspiele spielen können, wie es in den 1920ern noch üblich war und man nicht zufällig in einer eher ländlichen Gegend oder in einer Wohngegend mit Mietshäusern wohnte?
Und was heißt überhaupt, wir konnten nicht spielen? Die meisten Spiele fanden zwar nur zu zweit statt, aber unter mangelnder Phantasie litten wir selten. Auch war wenig Material nötig, um Spaß zu haben.
Bei einer Freundin im Vorgarten (das Haus hatte die Haustür im ersten Stock, sodass eine hohe Treppe hinaufführte und der Plattenweg zu der Treppe war auch lang) genügte ein Ball, um stundenlang zu zweit komplizierte Fangspiele zu spielen.
Im Gegenzug dazu gab es bei uns zwar keine Treppe, die man hätte nutzen können, dafür aber stand im Garten eine Rutsche, die Auffahrt zum Carport war lang und der Garten an sich auch groß, sodass wir mit Hilfe der Rutsche und eines Hula-Hoop-Reifens ein ähnliches Spiel entwickelten.
Sehr beliebt in Schulpausen waren - und hier kamen dann auch die Gruppenspiele zutage - Hinkebock in der Grundschule (dies auch gern allein mit Freunden - wenn keine Hüpfkästchen aufgemalt waren, hat man schnell mit einer Tonscherbe oder einem Stück Kreide alles aufgemalt); später dann Gummitwist oder Eierhüpfen. Mehr als ein entsprechendes Hüpfgummi oder ein Tennisball und eine Wand waren nicht nötig.
Und dann gab es auch noch die Rollenspiele. Dafür benötigten wir gar nichts weiter. Entweder es fand im Garten statt (dann war ein Baum eben mal eine Höhle) oder im Haus (bei uns im Eingangsbereich), und Spaß hat es immer gemacht.
Nur weil sich die Spiele gewandelt haben, kann man doch nicht sagen, dass wir nicht gespielt haben, oder? Reifen schlagen oder mit Kreiseln spielen mag für die Generation meiner Oma Spaß genug gewesen sein, aber wir waren eine andere Generation, genau wie die jetzigen Kinder eine ganz andere Generation sind als wir. Ob und wie sie noch selbstständig spielen, weiß ich nicht, da ich keine Kinder habe, aber Phantasie wird es in jeder Generation geben, und mit Sicherheit gibt es auch jetzt noch genug Kinder, die auch ohne großen technischen Schnickschnack spielen können, so wie wir damals. Nicht nur, aber auch.
Was war, was ist und was sein wird: willkürliche Betrachtungen über den Wandel der Zeit seit Mitte der 1970er
Posts mit dem Label Spielzeug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Spielzeug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 8. November 2012
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Große Bälle, kleine Bälle - hüpfen sollt ihr so oder so
Eine der vielen Spiel- und Sportsachen, die ich als Kind bei anderen gesehen und sie darum beneidet habe, waren die Hüpfbälle. Wenn ich sehe, in wievielen Farben und mit welchen Motiven es die Dinger heutzutage gibt, schüttel ich nur fassungslos den Kopf. Es war gar nicht so einfach, ein "Original von damals" zu finden.
Orangefarben, groß, zum Draufsitzen und mit zwei "Ohren" obenauf zum Festhalten. Wie gern wäre ich bei uns im Haus hin- und hergetobt damit! Doch das war einer dieser Wünsche, die mir nie erfüllt werden sollten. Zu wenig Platz, zu viel Unruhe, was weiß ich. Das mit dem Platz kann ich jetzt, ca. drei Jahrzehnte später, sogar recht gut nachvollziehen. Sicher, wir hatten ein Haus mit einer einigermaßen respektablen Grundfläche, aber da meine Großeltern mit drinwohnten und wir dadurch nur die Hälfte offiziell hatten und die Gänge und Flure aufgrund nach dem Wiederaufbau ziemlich beengt waren, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich mich an den spitzen Ecken unserer Schuhschränke gestoßen hätte. Oder bis ich mit voller Kraft in die Wackelwand zum kleinen Badezimmer gedonnert wäre. Oder bis irgendein anderen Malheur passiert wäre.
Von daher: Danke liebe Eltern, dass ihr mir den Schmerz und euch das Geschrei erspart habt.
Aber: einige Jahre später kamen andere Hüpfbälle auf. Bälle für draußen (oder die Sporthalle), die nicht nur die Kondition sondern auch das Gleichgewicht schulten. Dies waren zwei kleinere halbe (etwas mehr als halbe) Bälle, und dazwischen eine Art Plattform zum Draufstehen und damit Loshüpfen. So einen hatte ich. In diesem Fall war das auch kein Problem: Ich habe den von meiner Großmutter geschenkt bekommen, als ich mal bei ihr übernachtet habe, und da Spiel- und Sportgeräte für draußen immer einfacher bei einem großen Garten sind, war es ein "gemachtes Ding", dass ich das bekam. Inzwischen weiß ich sogar, dass die Teile auch Moonhopper genannt werden. Der einzige Unterschied zu meinem: Bei meinem war die Plattform grün. Aber genau meine Farbkonstellation habe ich leider nicht finden können.
Ob ich heute noch drauf hüpfen könnte? Vielleicht. Nach ein wenig Anlaufschwierigkeiten. Vor allem beim Aufsteigen. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich in tiefster Konzentration die Zehen immer zusammengerollt habe in meinen Schuhen. Ob mir das zu einem festeren Stand verholfen hat? Ich zweifel dran, kann aber nichts mehr an damals ändern.
Orangefarben, groß, zum Draufsitzen und mit zwei "Ohren" obenauf zum Festhalten. Wie gern wäre ich bei uns im Haus hin- und hergetobt damit! Doch das war einer dieser Wünsche, die mir nie erfüllt werden sollten. Zu wenig Platz, zu viel Unruhe, was weiß ich. Das mit dem Platz kann ich jetzt, ca. drei Jahrzehnte später, sogar recht gut nachvollziehen. Sicher, wir hatten ein Haus mit einer einigermaßen respektablen Grundfläche, aber da meine Großeltern mit drinwohnten und wir dadurch nur die Hälfte offiziell hatten und die Gänge und Flure aufgrund nach dem Wiederaufbau ziemlich beengt waren, wäre es wohl nur eine Frage der Zeit gewesen, bis ich mich an den spitzen Ecken unserer Schuhschränke gestoßen hätte. Oder bis ich mit voller Kraft in die Wackelwand zum kleinen Badezimmer gedonnert wäre. Oder bis irgendein anderen Malheur passiert wäre.
Von daher: Danke liebe Eltern, dass ihr mir den Schmerz und euch das Geschrei erspart habt.
Aber: einige Jahre später kamen andere Hüpfbälle auf. Bälle für draußen (oder die Sporthalle), die nicht nur die Kondition sondern auch das Gleichgewicht schulten. Dies waren zwei kleinere halbe (etwas mehr als halbe) Bälle, und dazwischen eine Art Plattform zum Draufstehen und damit Loshüpfen. So einen hatte ich. In diesem Fall war das auch kein Problem: Ich habe den von meiner Großmutter geschenkt bekommen, als ich mal bei ihr übernachtet habe, und da Spiel- und Sportgeräte für draußen immer einfacher bei einem großen Garten sind, war es ein "gemachtes Ding", dass ich das bekam. Inzwischen weiß ich sogar, dass die Teile auch Moonhopper genannt werden. Der einzige Unterschied zu meinem: Bei meinem war die Plattform grün. Aber genau meine Farbkonstellation habe ich leider nicht finden können.
Ob ich heute noch drauf hüpfen könnte? Vielleicht. Nach ein wenig Anlaufschwierigkeiten. Vor allem beim Aufsteigen. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich in tiefster Konzentration die Zehen immer zusammengerollt habe in meinen Schuhen. Ob mir das zu einem festeren Stand verholfen hat? Ich zweifel dran, kann aber nichts mehr an damals ändern.
Sonntag, 14. Oktober 2012
Blanke Nerven und bunter Lärm
Der Titel klingt komisch? Ist aber so. Eines meiner Lieblingsspielzeuge war hervorragend geeignet, andere Leute (ganz speziell meine Eltern) in den Wahnsinn zu treiben. Dass ich dieses Spielzeug überhaupt hatte, lag mit Sicherheit nicht daran, dass "alle" es hatten, sondern wer es hatte. In diesem Fall eine Bekannte, die meine Eltern sehr schätzten, weil sie ein, "liebes, nettes Mädchen" war und sie ihre Eltern auch mochten.
Wie wild habe ich mich auf dieses Spiel gestürzt, auch wenn ich aufgrund des bei uns zu Hause herrschenden Platzmangels nur die Miniaturausgabe hatte. Wie von so vielen anderen Spielen auch.
Aber meinen Senso habe ich heiß und innig geliebt.
Ob man den heute noch spielen könnte? Ich glaube nicht, dass es noch die benötigten Block-Batterien gibt. Oder?
Online kann man Senso (oder Simon, wie es auf englisch heißt) jedenfalls hier spielen. Viel Spaß!
Wie wild habe ich mich auf dieses Spiel gestürzt, auch wenn ich aufgrund des bei uns zu Hause herrschenden Platzmangels nur die Miniaturausgabe hatte. Wie von so vielen anderen Spielen auch.
Aber meinen Senso habe ich heiß und innig geliebt.
Ob man den heute noch spielen könnte? Ich glaube nicht, dass es noch die benötigten Block-Batterien gibt. Oder?
Online kann man Senso (oder Simon, wie es auf englisch heißt) jedenfalls hier spielen. Viel Spaß!
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Die bunte Ungeduld
Ja, auch bei uns gab es einen, und wirklich beigehen durfte ich nicht. Er war eher Deko als Spielzeug. Und als Deko hatte er "gut" auszusehen, das heißt ordentlich. Nicht wild gemustert.
Es gab ihn in verschiedenen Größen, und wir hatten einen kleinen, der unter einer durchsichtigen Plastikhaube im Regal stand. Als Deko eben.
Gern hätte ich meinen eigenen gehabt. Den hätte ich verdreht. Und nicht wieder so hindrehen können, dass jede Seite einfarbig war.
Der Zauberwürfel. Das Modespielzeug der beginnenden 1980ern.
Irgendwann hatten wir es doch versucht. Mehr als eine Seite hatten wir nicht wieder einfarbig bekommen. Der einzige, der die Geduld und das Geschick für solche Übungen hatte, war mein Vater. *
Vermutlich war es gut, dass ich mich nicht am Zauberwürfel austoben durfte, wie ich wollte. Ich wäre hoffnungslos daran verzweifelt, ungeduldig und hektisch wie ich damals war. (ich bin es immer noch, aber ich habe mich gebessert. Wesentlich sogar.)
~~~
* siehe auch die damals beliebten "Schlüssel"spiele - wie man sie heute wieder auf Weihnachtsmärkten finden kann
Es gab ihn in verschiedenen Größen, und wir hatten einen kleinen, der unter einer durchsichtigen Plastikhaube im Regal stand. Als Deko eben.
Gern hätte ich meinen eigenen gehabt. Den hätte ich verdreht. Und nicht wieder so hindrehen können, dass jede Seite einfarbig war.
Der Zauberwürfel. Das Modespielzeug der beginnenden 1980ern.
Irgendwann hatten wir es doch versucht. Mehr als eine Seite hatten wir nicht wieder einfarbig bekommen. Der einzige, der die Geduld und das Geschick für solche Übungen hatte, war mein Vater. *
Vermutlich war es gut, dass ich mich nicht am Zauberwürfel austoben durfte, wie ich wollte. Ich wäre hoffnungslos daran verzweifelt, ungeduldig und hektisch wie ich damals war. (ich bin es immer noch, aber ich habe mich gebessert. Wesentlich sogar.)
~~~
* siehe auch die damals beliebten "Schlüssel"spiele - wie man sie heute wieder auf Weihnachtsmärkten finden kann
Abonnieren
Posts (Atom)